Acht Tipps zur FIAC 2014 von Mouna Mekouar

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Am 23. Oktober öffnet die Kunstmesse FIAC in Paris. Zwischen der Eröffnung der Fondation Louis Vuitton und des Musée Picasso, wird diese Woche reich  an künstlerischen Entdeckungen sein. Mouna Mekouar ist Doktorantin im Bereich Kunstgeschichte und Kuratorin beim Palais de Tokyo seit 2012. Sie hat als Kuratorin an der Vorbereitung der Ausstellung „Formes Simples“ teilgenommen, die bis November im Centre Pompidou-Metz stattfindet. Für Jeunes Commissaires,  verrät Mouna Mekouar acht Tipps zur FIAC.

1. (Wieder)Eröffnungen : Museum und Fondation

Eine besonders kulturreiche Woche steht bevor! „Die Monnaie de Paris, die Fondation Louis Vuitton, sowie das Musée Picasso eröffnen in derselben Woche. Was für ein Feuerwerk für Paris!“ behauptet Laurent Le Bon, Präsident des Musée Picasso. Das Musée Picasso eröffnet am 25. Oktober – der Geburtstag des Künstlers (*1881). Neben der vom Architekten Jean-François Bodin konzipierten Neueinrichtung des Museums wird auch die Sammlung wiederzuentdecken sein: Das Publikum kann „in diesen Ozean eintauchen“, der die Vielseitigkeit des Künstlers wiederspiegelt. Die im Bois de Boulogne gelegene Fondation Louis Vuitton, ein schiffartiger Bau des Star Architekten Frank Ghery, eröffnet ebenfalls am 27. Oktober. Die noch relativ unbekannte Sammlung wird enthüllt: Mit In situ Auftragsarbeiten von Künstlern wie z.B. Olafur Eliasson, Ellsworth Kelly oder Pierre Huyghe.

Musée Picasso, Eröffnung am 25. Oktober 2014 ab 12 Uhr
Fondation Louis Vuitton, Eröffnung am 27. Oktober 2014

2. LAURE PROUVOST – This is the visit – Galerie Nathalie Obadia

Im Anschluss an “Wantee” (2013), das Werk mit dem Laure Prouvost den Turner Preis gewonnen hat, lädt die Künstlerin den Betrachter nun in ein fiktives Museum ein, das sie ihrem erfundenen Großvater widmet, der bei seinem Versuch einen Tunnel nach Afrika zu graben, verschollen ist. Von der Großmutter „Wantee“ und ihren Großkindern konzipiert, verbindet dieses „Visitor Center“ Installationen, Tapeten, Malereien, Videos und Skulpturen. Poesie und Humor kombinierend, Fiktives und Kunstgeschichtliches verbindend, lädt diese kohärente wie verwirrende Ausstellung ein, sich in den Geschichten Laure Prouvots zu verirren.

Galerie Nathalie Obadia, bis zum 31. Oktober 2014

3. CAMILLE HENROT – The Pale Fox – Bétonsalon

Die erste größere Ausstellung Camille Henrots in Paris „The Pale Fox“ führt mehr als 400 auf Ebay erworbene sowie ausgeliehene, von der Künstlerin geschaffene oder gefundene Fotografien, Skulpturen, Bücher und Zeichnungen zusammen. Allesamt in einem abgekapselten Raum präsentiert, schafft dieses auf den ersten Blick inkohärente und chaotische Ganze ein aus Übereinstimmungen und Andeutungen bestehendes System. Der physische und gedankliche Raum inszeniert das vergebliche Bestreben der Menschen, Ideen und Gegenstände zu ordnen. „The Pale Fox“ – dem gleichnamigen Werk Germaine Dieterlens und Marcel Griaules gewidmet – ist eine Meditation zur Ordnung und Unordnung, zur Gestaltung und dem Fluss des Wissens, zur poetischen Kraft und Notwendigkeit des Mythischen Möglicherweise für Camille Henrot ein Weg „sich gegen die Uniformierung aufzubäumen, die alles zu verschlingen droht”.

Bétonsalon, bis zum 20. Dezember 2014

4. LATIFA ECHAKHCH – Prix Marcel Duchamp 2013 – Centre Pompidou

„In der Ausstellung gleiten Wolken sacht über den Boden. […] Ich habe in gewisser Hinsicht versucht die Landschaft im Raum zu dehnen und zu konzentrieren, um mit den verschiedenen Ebenen und Schichten der Lektüre zu spielen und verschiedene Maßstäben darzustellen.“ Latifa verwandelt den Ausstellungsraum in eine traumartige Landschaft, die zwischen Himmel und Erde schwebt. Als dramatische Szene fragt die Installation anhand bildhauerischer Elemente und unscheinbarer Gegenstände nach den Begriffen des Dekors und des Zeremoniells. Der Betrachter hält vor Geschichtsfragmenten und in schwarze Tinte getunkten Kindheitserinnerungen inne. „Ich benutze die Farbe Schwarz als Filter. Die Farbe Schwarz spielt die Idee eines vergangenen und angehaltenen Handlungszeitraums an und weist gleichzeitig auf die Wucht der kommenden Gesten.“ Latifa Echakhch kreiert einen Rundgang, in dem Assoziations- und Interpretationsspiele den Betrachter zu einer traumhaften Reise einladen.

Centre Pompidou, bis zum 26. Januar 2015

5. DANIEL DEWAR und GREGORY GICQUEL – La jeune sculpture – Musée Rodin

Die zwei vom Musée Rodin eingeladenen Künstler Daniel Dewar und Gregory Gicquel bezeugen ihre Fähigkeit, die Kunstgeschichte neu zu interpretieren und den Kanon mit monumentalen, in Beton gegossenen Werken in Frage zu stellen. Zwischen Humor und Parodie, Gelehrsamkeit und Dilettantismus, stehen die Arbeiten des Künstlerduos verschmitzt mit Rodins Skulpturen im Gespräch. Nackte Beine, mit unpassenden Schuhen, nacktes Gesäß, Strickjacke und Accessoires: All diese Skulpturen schwanken zwischen Huldigung des Werks des legendären Bildhauers und einer wohlgemeinten Ironie gegenüber des Kanons der Kunst des 19. Jahrhunderts. Dazu kommt, dass der Titel der Ausstellung auf den in den Nachkriegsjahren regelmäßig organisierten Salon de la Jeune Sculpture im Musée Rodin verweist.

Musée Rodin, bis zum 26 Oktober 2014

6. VOICES OF URGENCY– École nationale des Beaux-Arts

Dieser Veranstaltungszyklus zum Thema der Dichtung, vom Künstler Alex Cecchetti im Rahmen der Fiac und in Zusammenarbeit mit der École nationale des Beaux-Arts konzipiert und organisiert, geht von der Annahme aus, dass Dichtung in unserer Gesellschaft und im Alltag essenziell ist. Sie zeigt die Welt wie auch die bevorstehenden Veränderungen in einem anderen Licht. Die Geschichte, die gesellschaftlichen Übel und auch Zukunftsfragen werden auf neue Weise wahrgenommen. Diese Veranstaltungen, welche Dichter mit Forschern (Naturwissenschaft und Literatur) verknüpfen, erlauben es, die zeitgenössische Denkweise zu befragen.
Teilnehmer : Vinciane Despret (philosophe des sciences et éthologue, Belgique), Yuri I. Manin (mathématicien, Russie), Ariana Reines (poète, USA), Serhiy Zhadan (poète, Urkraine), Abdellatif Laâbi (poète, Maroc), Peter Semolic (poète, Slovénie), Eileen Myles (poète, USA).

École nationale supérieure des Beaux-Arts, 23. Oktober bis zum 26. Oktober, 18:00 – 20:00 Uhr

7. INSIDE – Palais de Tokyo

Die teilnehmenden Künstler laden den Besucher in und durch ihre Arbeiten ein, in das von ihnen umgestaltete Palais de Takyo wahrhaft einzutauchen. Dieser physische und geistliche Durchgang soll jeden dazu bringen, seine tiefsten Gedanken und vergessenen Erinnerungen zu entdecken. Wie eine Einführung schaffen sowohl die Reise – „Inside“ – als auch die gesamten Werke eine tiefe, verwirrende und verstörende Erfahrung.

KuratorInnen : Jean de Loisy, Daria de Beauvais et Katell Jaffrès

KünstlerInnen : Jean-Michel Alberola, Dove Allouche, Yuri Ancarani, Sookoon Ang, Christophe Berdaguer & Marie Pejus, Christian Boltanski, Peter Buggenhout, Marc Couturier, Nathalie Djurberg & Hans Berg, Dran, Marcius Galan, Ryan Gander, Ion Grigorescu, Hu Xiaoyuan, Eva Jospin, Jesper Just, Mikhail Karikis & Uriel Orlow, Mark Manders, Bruce Nauman, Mike Nelson, Numen/For Use, Abraham Poincheval Araya Rasdjarmrearnsook, Reynold Reynolds & Patrick Jolley, Ataru Sato, Stéphane Thidet, Tunga, Andra Ursuta, Andro Wekua, Valia Fetisov, Artur Zmijewski.

Palais de Tokyo, 20. Oktober bis 11. Januar

8. KATINKA BOCK – Populania –Galerie Jocelyn Wolff

Katinka Bocks in situ Projekt erforscht die Begriffe des Inhalts, des Behältnisses, des Öffnens und des Abtrennens. Die Künstlerin spielt mit den Oberflächen der Materialien wie auch mit den Öffnungen und Verschließungen des Ausstellungsraumes. Sie experimentiert mit Materialien – Glas, Keramik, Stoff – und schafft ein Fenster, das mit den Reserven der Galerie kommuniziert  Mit Populania erschafft die Künstlerin eine neue Sicht der Dinge, die die Galerie in eine sich im Innen- und Außenraum befindende Landschaft verwandelt.

Galerie Jocelyn Wolff, bis zum 8. November 2014

Mouna Mekouar

Die unabhängige Kuratorin Mouna Mekouar hält ein Diplom des Institut national du patrimoine (Kuratieren mit Schwerpunkt Museen) und ist Doktorandin im Fach Kunstgeschichte. Kürzlich arbeitete sie als geladene Kuratorin mit dem Centre Pompidou-Metz für die Ausstellung Formes Simples zusammen, die dort noch bis November 2014 zu sehen ist. In ihrer Arbeit als Kuratorin am Palais de Tokyo zwischen 2012 und 2014, co-kuratierte sie die Philippe Parreno gewidmete Ausstellung Carte Blanche, die im Herbst 2013 dort gezeigt wurde. 2010 trug sie zur Eröffnungsausstellung Chefs-d’œuvre ? des Centre Pompidou-Metz als assoziierte Kuratoin bei. Zudem wirkte sie bei zwei Ausgaben (2009 und 2011) der vom Musée du Quai Branly organisierten Biennale Photoquai mit und wählte hierfür Fotografen des Maghrebs und des Persischen Golfs aus. 2007 war sie Kuratorin der Ausstellung Roger Parry im Jeu de Paume. Mouna Mekouar verfasst Essays für Ausstellungskataloge (Roger Parry, Gallimard, 2007; Chefs-d’œuvre ? éd. Centre Pompidou-Metz, 2011; Anywhere, Anywhere out of the world, 2013) sowie für Fachzeitschriften (Études photographiques, Images re-vues, Patrimoines, Revue de l’art).  Sie schreibt für ArtPress und veröffentlichte zwei Schulbücher im Rahmen des Abiturleistungskurses Kunstgeschichte. Eines beschreibt den Einfluss des Centre Pompidou (CNDP, 2009), das zweite thematisiert Tadashi Kawamata (CNDP, 2012).